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Informationsblatt für Patienten

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Diabetes mellitus Typ 1

Was ist Diabetes mellitus Typ 1?

Es handelt sich um eine Erkrankung des Abwehrsystems (Autoimmunerkrankung), wobei Abwehrkörper gebildet werden, welche zur Zerstörung der Insulin-produzierenden Zellen (Beta-Zellen) in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) führen. Der Verlust dieser Beta-Zellen führt zu einem Insulinmangel.

Was sind die Folgen des Insulinmangels?

Durch den Insulinmangel kann Zucker (Glucose) nicht mehr in die Gewebe/Zellen aufgenommen werden, was den Blutzuckerspiegel erhöht.

Zudem wird ständig neuer Zucker aus der Leber abgegeben, welche ebenfalls nicht in die Zellen aufgenommen wird, sondern im Blut verbleibt.

Auch das Körperfett kann nicht mehr in den Speichern gehalten werden und zirkuliert im Blut, wo es zu einem Anstieg von freien Fettsäuren kommt. Die freien Fettsäuren werden über einen anderen Weg in Ketonkörper umgewandelt. Diese führen zu einer Übersäuerung des Körpers (Ketoazidose), wodurch sämtliche Stoffwechselvorgänge im Körper beeinträchtigt werden.

Wenn ein gewisses Mass an Zucker im Blut überschritten wird, scheidet die Niere Zucker mit dem Urin aus. Der gesteigerte Wasserverlust über die Nieren bewirkt ein häufigeres Wasser lassen und ein gesteigertes Durstgefühl.

Durch den Insulinmangel können die Muskeln den Zucker nicht verwerten. Es findet ein Muskelabbau und eine Schwächung des Körpers statt. Durch Veränderungen der Salze im Blut ist ausserdem die Neigung zu Muskelkrämpfen erhöht.

Im Extremfall kann der Insulinmangel zu einer vollständigen Stoffwechselentgleisung mit Koma führen.

Wie merke ich, dass ich Diabetes mellitus Typ 1 habe?

Typischerweise besteht ein deutlicher Gewichtsverlust, ein ständiges Durstgefühl und häufiges Wasserlassen mit Zeichen der Austrocknung. Allgemeine Beschwerden wie Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Beinkrämpfe, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Konzentrationsstörungen können begleitend vorkommen. Die Symptome treten in der Regel relativ abrupt innert wenigen Wochen auf. Warnzeichen sind Erbrechen, Bauchschmerzen und ein verminderter Wachheitsgrad, da sie auf eine Übersäuerung hindeuten und Vorboten eines Komas sein können.

Was hat der Diabetes mellitus für Langzeitfolgen?

Insbesondere bei ungenügender Blutzucker-Einstellung können Schäden an den Gefässen und Nerven auftreten. Dabei unterscheidet man Schäden an grossen Gefässen (Makroangiopathie) und solche an kleinen Gefässen (Mikroangiopathie). Schäden an grossen Gefässen führen zu Durchblutungsstörungen am Herz (Angina pectoris, Herzinfarkt), im Gehirn (Hirnschlag) oder an den Beinen (Schaufensterkrankheit). Schäden an kleinen Gefässen können Sehstörungen (Retinopathie), Nierenschäden (Nephropathie) und Nervenschäden (Neuropathie) zur Folge haben. Um Langzeitfolgen frühzeitig erkennen zu können, führen wir in der Praxis für Endokrinologie und Diabetes Zürcher Unterland regelmässige Suchtests durch. Bei entsprechendem Verdacht können dann gezielt weitere Abklärungen in die Wege geleiten werden.

Wie wird Diabetes mellitus Typ 1 behandelt?

Das fehlende Insulin muss bis ans Lebensende ersetzt werden. Dies erfolgt mittels Insulininjektionen oder Insulinpumpentherapie. In der Praxis für Endokrinologie und Diabetes Zürcher Unterland lernen Sie, welche Insulinarten es gibt, und wie die Insulintherapie bei verschiedenen Gegebenheiten (Sport, Ernährung, Infekten) angepasst werden kann. Dabei evaluieren wir mit Ihnen die für Sie passendste Therapieoption. Die Schulung erfolgt zusammen mit der Ernährungs-und Diabetes-Beratung.

Zur Vermeidung von Spätfolgen sollten idealerweise auch andere Risikofaktoren wie zu hoher Blutdruck, erhöhte Blutfette therapeutisch angegangen und der Nikotinkonsum sistiert werden.

Wie hoch sollte mein Blut-Zucker sein?

Idealerweise liegt der Blutzucker bei Patienten mit Diabetes mellitus im nüchternen Zustand oder vor den Mahlzeiten zwischen 4 bis max. 7 mmol/l. Im Rahmen der Therapieeinstellung werden Sie teilweise gebeten, 2 Stunden nach dem Essen den Blutzucker zu messen, dann sollte der Blutzucker möglichst wieder unter 8mmol/l liegen.

Der Zielwert für den Langzeitzucker (HbA1c) wird individuell mit Ihrem Arzt für Sie definiert. Je stabiler die Blutzuckerwerte und je gesünder und jünger Sie sind, desto tiefer sollten die Zielwerte liegen. Auf jeden Fall sollten Unterzuckerungen vermieden werden, da diese insbesondere im Alter oder bei Personen mit Herzerkrankungen Herzrhythmusstörungen oder Stürze begünstigen und so zu einer erhöhten Sterblichkeit/Krankheitsanfälligkeit führen können.

Was ist eine Unterzuckerung und wie bemerke ich sie?

Eine Unterzuckerung bedeutet einen Blutzucker unter 3.5mmol/l. Symptome können Zittern, Schwitzen, Heisshunger, Herzklopfen, Wesensveränderungen bis hin zu Bewusstseinseintrübung und Koma sein. Die Wahrnehmung von Unterzuckerungen kann eingeschränkt sein, wenn Sie anderweitig abgelenkt sind, z.B. beim Sport treiben, Autofahren oder, wenn Sie sehr häufig Unterzuckerungen haben, so dass der Körper die tiefen Blutzuckerwerte als ‘normal’ wahrnimmt. Umgekehrt können Symptome der Unterzuckerung bereits bei höheren Blutzuckerwerten auftreten, wenn der Körper sich an sehr hohe Blutzuckerwerte gewöhnt hat oder wenn sich der Blutzucker rasch absenkt.